Wieder da... Mit Amoklauf und Videospiel!

Nach einer langen, unmotivierten Zeit bin ich wieder da. Und gleich mit einem ziemlich langen Text über Amokläufer und Videospiele... Viel Vergnügen:


Um das mal ganz klar festzustellen.

 

Es ist falsch, falsch, falsch, falsch zu behaupten, Computerspiele seien irgendwie für mehr Gewalt verantwortlich. UNSINN.

(Schützenvereine im Übrigen auch, hab da noch nie wen unter 50 gesehen).

 

Nehmen wir als Speerspitze mal das erste Schulmassaker, Columbine. Die beiden Täter haben die Tat begangen, weil sie von anderen gehänselt, gemobbt, aus gegrenzt und schikaniert wurden, keinen Rückhalt im Elternhaus fanden, und die diese psychischen Schäden nicht mehr ertragen konnten. Sie besorgten sich Waffen und beendeten alles. Sie spielten keine Killerspiele. Diese Beiden planten in der Realität, besorgen sich Material in der Realität, bauten Bomben in der Realität und testeten diese in der Realität - Computer spielen hatten keinen nachweisbaren Einfluss.

 

Zweites Argument. Viele Amokläufer kommen aus schwachen Elternhaus (Was nicht von der Einkommensschicht abhängig ist), haben schwaches soziales Umfeld, werden in 80% der Fälle in irgendeiner Form aus gegrenzt. Wenn ich kein soziales Umfeld habe, in das ich mich zurückziehen kann, was bleibt mir anderes, als zu spielen, um mich aus der kalten, grausamen Realität zu flüchten?

Diese Leute spielen, weil sie nichts anderes können, sie spielen, weil sie nicht wissen, dass es auch anderes gibt, sie spielen, weil sie dort fähig sind, dort sind sie jemand. Und das muss nicht mal das Machtgefühl bei einem Egoshooter sein, dass kann auch sein, dass man als Held in einem Rollenspiel gefeiert wird.

Das kann auch die Anerkennung der Community sein.

Das Ausgangsszenario ist aber das Umfeld. Nicht das Spiel.

Das Spiel widerrum hat aber auch keine Auswirkungen darauf, dass man eine geringere Hemmschwelle hat. Und genauso wenig hat das Spiel einen Einfluss auf die Gewaltrate.

 

NIEMAND geht los und fängt an Nutten mit einem Baseball Schläger zu verprügeln, weil er es bei GTA gesehen hat. NIEMAND geht los, und spielt Manhunt nach (Wobei das Spiel wirklich abartig ist). Das man bei vielen Gewalttätern Videospiele findet - wunderts wen? Die Spieleindustrie vertreibt jährlich mehr als eine Milliarde Spiele - Noch mehr werden illegal vertrieben. Das man dann bei einem Prozentual in Anbetracht der Bevölkerungsmasse verschwindenden Anteil von Gewalttätern Videospiele findet, wundert doch niemanden. Dennoch darf man nicht die Schuld auf das Spiel schieben. Die meisten Menschen kaufen sich doch Spiele, nach dem worauf sie Lust haben. Niemand mit einer Vorliebe für Aufbaustratege kauft sich einen Egoshooter, wenn er Empire Earth, die Siedler oder ähnliches haben kann. Genauso wird sich niemand, der schon klare Gewaltfantasien im Kopf hat, einen der Sims Teile kaufen, oder ein Super Mario, dieser greift dann zu den Spielen, die eben diese Fantasien befriedigen können.

Dieser Mensch, der beginnt dann seine Fantasien zu visualisieren und erfreut sich an ihnen, und dann, erst dann, besteht die Gefahr das er ausrasten und sich und anderen Schaden könnte. Daran ist aber das Spiel nicht schuld, sondern der Mensch. Sicher kann man die Frage stellen, warum muss Gewalt so dargestellt werden wie z.B. in Manhunt. Das liegt einfach daran, dass Gewalt, und vor allem realistische Darstellung, einiges an Adrenalin hervorbringen kann, und das so etwas aufregend und interessant ist, weiß jeder. Ich selbst erlebe es oft bei 4Story, wenn ich einen PvP-Kampf gerade so gewinne. Das Herz klopft, die Hände beginnen zu Schwitzen, und das Glücksgefühl über den Sieg überkommt mich.

 

Anders bei stumpfen Ballereien, da gibts kaum Glücksgefühle. sondern meist den Rausch der Geschwindigkeit. Und dieser Rausch macht das Spiel meistens so faszinierend. Es ist spannend, und auch beängstigend, zu erleben was hinter der nächsten Ecke lauern könnte. Und es kommt auch das zum Einsatz, was die Horrorfilme so erfolgreich macht, nämlich die Gewissheit, dass man in diesem Moment noch im spannenden Gemetzel mit einem blutrünstigen Feuerdämon oder in einem nerven aufreibenen Gefecht sein könnte, dass man über Teamspeak koordiniert, und trotz all dieser virtuellen Gefahren, nur einen Knopf drücken muss, um wieder in Sicherheit zu sein. Und diesen Knopf gibt es in der Realität nicht, und das ist JEDEM der klar im Kopf ist, und gesund, vollkommen klar.

Deswegen ist auch unsinnig zu sagen, oder zu pauschalisieren, dass alle Computerspiele, auch jene Egoshooter, enthemmend wirken könnten. Das Gegenteil ist meiner Meinung nach der Fall. Wenn man das Gefühl der Ungerechtigkeit spürt, und den Aufwallenden Zorn, wenn man bei z.B. Homeland sieht, wie Familien exekutiert werden, und man nichts dagegen tun kann, dann ist dies eine Szene, wie sie einem in einem echten Krieg widerfahren könnte. Und so was merken sich manche Spieler, weswegen eine noch größere, teils noch pazifistischere, negative Einstellung zu solchen Handlungen folgen kann, ähnlich wie die Wirkung eines Mahnmals.

 

Wenn man jetzt aber den Verbot solcher Spiele aufgrund der Aussage, es würde gewaltfördernd wirken, dann müsste man konsequenter Weise auch alle Horrorfilme, "Grusel"bücher, Thriller, Märchen, etc. verbieten, die den Kriterien entsprechen könnten. Denn, wo liegt der Unterschied, den Soldat James Ryan zu gucken oder Call of Duty 1/2 zu spielen?

 

Abgesehen davon, wenn dieses virtuelle Töten schon negative Wirkung haben soll, was passiert dann erst bei Soldaten oder Airsoft-Clubs?

Diese Leute spielen teilweise oder zumindest proben sie den Krieg, und diese, die die Szenarien zum Teil hautnah erleben, sollen weniger gefährlich sein?

 

Und dass ein Spiel einen Menschen angeblich programmiert, liegt am Menschen. Es gibt sicherlich Menschen, die den Bezug zur Realität verlieren können, und bei denen ein Spiel Macht über sie hat, ich weiß wovon ich rede (sehr zu empfehlen das Buch "Erebos"... Macht genauso süchtig wie das Spiel, um das es geht), aber bei den gut 5 Millionen Videospielern, und das ist nur eine grobe, eher nach oben hin zu korrigierende Schätzung, ist es kein Wunder, wenn ein oder zwei labile Menschen dabei sind.

Ungerecht dann nur, wenn alle Menschen dafür verantwortlich gemacht werden.

25.9.11 23:41

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