Der gute, treue Bürger

Wissen Sie, was einen guten, treuen Bürger ausmacht? Einen Bürger, der keine Last für den Staat ist? Einen Bürger, dem nachgesagt wird, er sei fleißig? Einen Bürger, der sich von allen rufschädigenden Dingen fernhält, der nichts fragt, der nichts sagt und schon gar nicht denkt?

Ein treuer Bürger steht auf, trinkt den morgendlichen Kaffee, fährt zur Arbeit, fährt zurück und lasst sich berieseln. Ein guter, treuer Bürger ist keine Last für den Staat, denn eine Last für den Staat ist eine Last für alle und ein guter, treuer Bürger ist keine Last. Ein guter, treuer Bürger ist keine Last. Ein guter treuer Bürger tut so, als sei er fleißig, auch wenn er gar nicht viel tut. Der gute, treue Bürger aber hat es nicht gern zu hören, er sei nicht fleißig, also macht er und schafft er, aber tut doch nichts. Dem guten, treuem Bürger ist sein Ruf wichtig, denn ein schlechter Ruf ist nicht von Vorteil und deswegen ist der gute, treue Bürger auf seinen Ruf bedacht, denn wenn der Ruf nicht stimmt, ist er kein guter treuer Bürger und das gilt es zu verhindern. So macht er und schafft er und tut doch nichts.

Ein guter, treuer Bürger fragt nicht, weil er die Antwort gar nicht wissen will oder nicht verstehen kann und weil fragen keine Tugend ist. Denn der gute, treue Bürger fragt nicht, weil er alles wichtige schon weiß und der Rest ist überflüssig, weil das Wissen nur alles unangenehm macht und ein guter, treuer Bürger ist gemütlich sonst ist nicht gut und treu.

Der gute, treue Bürger sagt nichts, denn sich zu äußern bringt nur Probleme und macht ein gemütliches Leben ungemütlich und ein guter, treuer Bürger mag sein gutes, treues und gemütliches Leben und möchte nicht darauf verzichten.

Sagen wirft nur Fragen auf und deswegen spricht der gute, treue Bürger nur wenig, und wenn mit gedämpfter Stimme, denn ein guter treuer Bürger ist immer darauf bedacht nicht aufzufallen und eine laute Stimme fällt auf.

Doch ein guter, treuer Bürger denkt auch nicht, da denken anstrengt und wer viel denkt wird ein ungemütlicher Mensch und ein guter, treuer Bürger schätzt das Gemütliche.

Denn das viele Denken wirft viele Fragen auf, und dann möchte man diese Fragen fragen und dann ist man vollends ein ungemütlicher Bürger. Und ungemütliche Bürger sind unbeliebt und sich unbeliebt zu machen ist unnötig. Aber ein guter, treuer Bürger denkt ja auch nicht, da das gemütliche Leben viel angenehmer als das ungemütliche Leben ist. Zwar verzichtet der gute, treue Bürger denkt ja auch nicht, da das gemütliche Leben viel angenehmer als das ungemütliche Leben ist. Zwar verzichtet der gute, treue Bürger auf Verstand, aber Verstand ist ja auch ungemütlich. Das ungemütliche am Leben ist aber gänzliche unbrauchbar und sollte vermieden werden um jeden Preise und der gute, treue Bürger setzt alles daran ein gemütliches Leben zu haben.

Deswegen ist es dem guten, treuen Bürger vollkommen egal, wenn ihm vor Augen geführt wird, was für sein Denunziant und Duckmäuser er ist. Das ist dem guten, treuen Bürger gänzlich egal, er kümmert sich nicht um seine Unwichtigkeit und Nutzlosigkeit und schon gar nicht um seine Freiheit. Der gute, treue Bürger mag es gemütlich und behaglich, und es ist vollkommen sich aufzulehnen und behaglich ist es schon gar nicht.

Dem guten, treuen Bürger ist es durchaus Recht, wenn andere sich aufregen, aber er will sein gemütliches Leben behalten. Der gute, treue Bürger kann den ungemütlichen Menschen durchaus auch heimlich am stammtisch zustimmen, aber nur so lange, bis seine eigene Belanglosigkeit droht in eine ungemütliche sache zu werden und sein gemütliches Leben ungemütlich wird. 


So kann man sagen, was der gute, treue Bürger ist. 

Ein guter, treuer Narr!


10.3.2011

10.3.11 22:27

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